WER GIBT DEN TAKT AN?

Interessant war auch der folgende Befund: Körpertemperatur- und Schlaf-Wach-Rhythmus sind normalerweise im selben Takt. Die Körpertemperatur pendelt im Bereich von 25 Stunden mit einem Tiefpunkt während des Schlafes und einem Höhepunkt während der Wachzeit. Wenn sich aber der Schlaf-Wach- Zyklus bei andauernder Isolation verschiebt, folgt die Körpertemperatur nicht (siehe Kasten unten). Egal, ob sich der Schlafrhythmus verkürzt, verlängert oder unregelmäßig wird – die Körpertemperatur schwingt weiter im 25-Stunden-Rhythmus. Die Wissenschaftler folgerten daraus, dass es mehr als eine innere Uhr geben muss! Innere Uhren steuern alle wichtigen Lebensfunktionen und das Verhalten im tagesperiodischen Wechsel. Bei Pflanzen sind sie über den gesamten Organismus verteilt. Ein übergeordnetes Zentrum, eine master clock, ist nicht auszumachen. Anders bei Tieren: Anfang der 1970er-Jahre studierten Forscher die Anatomie des Rattengehirns und entdeckten ungewöhnlich feine Nervenfasern, die von der Netzhaut des Auges nicht wie üblich zum Sehzentrum in der hinteren Großhirnrinde führen, sondern bereits in einem kleinen Areal des Zwischenhirns enden, das dicht über dem Chiasma opticum liegt, der Stelle, wo sich die Sehnerven kreuzen.

Wurde dieses winzige, kaum Stecknadelkopf große Areal mit Nervenzellen zerstört, verloren die Tiere jeglichen Tagesrhythmus – vom Schlaf-Wach- Zyklus über Hormonschwankungen bis hin zur Periodik der Körpertemperatur. Die zentrale Uhr war gefunden. Wegen seiner Lage über dem Chiasma wurde das Areal „Suprachiasmatischer Nucleus“ genannt, kurz SCN. Bei der Ratte messen die symmetrisch auf beide Hirnhälften verteilten Kerne weniger als einen Millimeter und umfassen rund 16 000 Zellen. Beim Menschen sind sie etwas größer und enthalten etwa 50 000 Nervenzellen. Über die bereits erwähnten feinen Nervenfasern empfängt der SCN Signale von den Lichtsinneszellen der Augen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um die Stäbchen oder Zapfen in unserer Netzhaut. Denn Mausmutanten, die weder Stäbchen noch Zapfen besitzen, können sich nach wie vor an künstlich verschobene Tagesrhythmen anpassen. Chronobiologen vermuteten daher im Auge von Säugetieren noch einen weiteren Lichtsinn, der die biologische Uhr mit Informationen über die Tageszeit versorgt.  

Quelle: BioMax http://www.mpg.de

Datum: Montag, 10. September 2007 15:22 Themengebiet: Geschichte -

 



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